Sied­lung Boll­park Süd: Gute Luft in Berns Nord­os­ten

Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Luft­qua­li­tät und Wohn­kom­fort

Zu­hau­se zwi­schen Stadt und Natur: Das Pro­jekt Boll­park Süd in Ve­chi­gen setzt auf eine zen­tra­le Luft­auf­be­rei­tung mit woh­nungs­wei­sen Lüf­tungs­bo­xen. Das Kon­zept er­füllt die An­for­de­run­gen des Mi­ner­gie-ECO-Stan­dards an Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Luft­qua­li­tät und Wohn­kom­fort.

Text: Janick Wüthrich (Projektingenieur bei eicher+pauli), Manuel Fischer, erschienen im Phase 5 Magazin

Urbane Annehmlichkeit in ländlicher Umgebung: Dieses Motto würde zur jüngst im Weiler Boll entstandenen Wohnüberbauung Bollpark Süd genau passen.

Der Immobilienmakler betont auf seiner Website die verkehrstechnischen Vorzüge der Siedlung: Boll liegt 10 Kilometer von Bern entfernt. Mit dem Auto sei sowohl Bern als auch Burgdorf in 15 Minuten erreichbar. Zudem befindet sich der RBS-Bahnhof Boll-Utzigen unmittelbar beim Bollpark Süd. Von hier ist die Bundeshauptstadt in der Regel in knapp 20 Minuten zu erreichen.

Das Projekt mitten im Ortskern von Boll besteht aus sechs Mehrfamilienhäusern mit 90 Wohneinheiten, 61 davon sind 1½- bis 5½-Zimmer-Mietwohnungen, darüber hinaus 29 Stockwerk-Eigentumswohnungen und rund 500 m² Fläche für Kleingewerbe im Erdgeschoss. So weit, so gut. Grundsätzlich könnte das Projekt als konventioneller Wohnungsbau durchgehen. Die Bauherrschaft verfolgte indes hohe energietechnische Ansprüche.

Die Bauten wurden konsequent nach dem Standard Minergie-Eco erstellt. Dazu gehören typischerweise eine hohe Energieeffizienz der Gebäudehülle, ein geringer Energiebedarf für Heizung, Warmwasser und Lüftung.

Für die gebäudetechnische Fachplanung zeichnete die Eicher + Pauli Bern AG verantwortlich, und zwar für die Bereiche Heizung, Sanitär und Lüftung. Die Siedlung ist dem lokalen Wärmeverbund Boll-Vechigen angeschlossen; als Wärmeerzeuger dient eine Holzschnitzelheizung. Mehrere Fernwärme-Übergabestationen auf dem Gelände der Siedlung bilden den Ausgangspunkt der Wärmeverteilung. Zudem sorgen mehrere Frischwasserstationen für eine bedarfsgerechte Warmwasserbereitung in allen Gebäuden.

Die Siedlung Bollpark Süd, im Minergie-ECO-Standard steht für urbanes Wohnen in ländlicher Umgebung. Die sechs Gebäude umfassen 61 Mietwohnungen, 29 Eigentumswohnungen sowie rund 500 m2 Gewerbeflächen. Foto : Dr. Meyer Immobilien AG, Bern
Die Siedlung Bollpark Süd, im Minergie-ECO-Standard steht für urbanes Wohnen in ländlicher Umgebung. Die sechs Gebäude umfassen 61 Mietwohnungen, 29 Eigentumswohnungen sowie rund 500 m2 Gewerbeflächen. Foto : Dr. Meyer Immobilien AG, Bern

Kom­fort­lüf­tung

Eine ausschlaggebende Rolle bei Minergie-Bauten spielt die kontrollierte Lufterneuerung: eine Komfortlüftung oder ein gleichwertiger Nachweis für eine gute Luftqualität. Für die Wohnüberbauung wurde eine zentrale Komfortlüftungsanlage realisiert. Die Aufbereitung der Zuluft für die Innenräume sowie die Wärmerückgewinnung erfolgen zentral, wodurch ein energieeffizienter Betrieb sichergestellt wird.

Der Einbau einer Wohnraum-Komfortlüftung ist somit wesentlicher Teil der gebäudetechnischen Ausrüstung. Bei modernen energieeffizienten Gebäudehüllen ist die natürliche Infiltration stark reduziert, wodurch ohne kontrollierte Lüftung ein Anstieg von Feuchtigkeit, CO₂ und Gerüchen in den Wohnungen zu erwarten wäre. Gleichzeitig führt ein häufiges Öffnen der Fenster zu Komforteinbussen sowie zu unnötigen Energieverlusten.

Dazu sagt Projektleiter Romeo Moser, Senior Consultant bei Eicher + Pauli Bern AG: «Die Wohnraum-Komfortlüftung schafft hier einen gezielten Ausgleich zwischen einer konstant hohen Raumluftqualität, einer kontrollierten Feuchteregulierung, wirksamem Schallschutz gegenüber der Umgebung sowie einer effizienten Wärmerückgewinnung.»

Allerdings seien die Planungsanforderungen in Bezug auf Luftmengen, Strömungsgeräusche und Schallübertragung nicht zu vernachlässigen. Dies erfordere Sorgfalt bei der Planung und bei der Auswahl der Komponenten bei der Ausführung.

Kas­ka­de als Luf­ter­neu­e­rungs­prin­zip

Das Lüftungskonzept des Bollpark Süd basiert auf dem bewährten Prinzip der Kaskadenlüftung. Frische, gefilterte Zuluft wird den Aufenthaltsräumen wie Wohn- und Schlafzimmern zugeführt. Von dort strömt die Luft über Überströmöffnungen beziehungsweise Türunterschnitte in die sekundären Räume und Nasszellen. In Küchen, Badezimmern und WCs wird die verbrauchte Luft abgesaugt und über das Lüftungssystem abgeführt.

Durch diese gezielte Luftführung entsteht ein kontinuierlicher Luftstrom von den Räumen mit hohen Komfortanforderungen zu den Räumen mit erhöhter Feuchte- und Geruchsbelastung. Die Luftqualität bleibt dadurch in allen Bereichen konstant hoch, während Feuchtigkeit und Gerüche effizient abgeführt werden.

Die Verteilung der Luft erfolgt anschliessend wohnungsweise. Jede Wohnung verfügt über eine eigene Wohnungslüftungsbox. Diese übernimmt die bedarfsgerechte Verteilung der Zu- und Abluft innerhalb der Wohnung und ermöglicht gleichzeitig den hydraulischen beziehungsweise lufttechnischen Abgleich der einzelnen Nutzungseinheiten.

Die Luftführung innerhalb der Wohnungen erfolgt über passive Überströmöffnungen. Die in Wohn- und Schlafräumen eingebrachte Zuluft strömt über Türunterschnitte oder schalltechnisch optimierte Überströmelemente in Richtung der Ablufträume wie Küche, Bad und WC.

Schematische Darstellung der Wohnraumlüftung mit zentraler Aufbereitung der Zuluft im Technikraum des Untergeschosses und Wohnungslüftungsboxen pro Wohneinheit. Plan: Eicher + Pauli Bern AG
Schematische Darstellung der Wohnraumlüftung mit zentraler Aufbereitung der Zuluft im Technikraum des Untergeschosses und Wohnungslüftungsboxen pro Wohneinheit. Plan: Eicher + Pauli Bern AG

Luft­durch­satz und Luft­aus­tausch

Die Auslegung der Luftvolumenströme erfolgt entsprechend der Wohnungsgrösse und Belegung. Im Bollpark Süd werden die Wohnungen mit Luftmengen zwischen 50 und 120 m³/h versorgt.

Kleinere Wohnungen benötigen aufgrund der geringeren Personenbelegung und Raumflächen niedrigere Luftvolumenströme, während grössere Familienwohnungen entsprechend höhere Luftmengen erhalten. Die Luftvolumenströme wurden gemäss den Anforderungen an eine hygienisch einwandfreie Raumluftqualität und den Vorgaben für Komfortlüftungsanlagen dimensioniert.

Die kontinuierliche Frischluftzufuhr gewährleistet einen ausreichenden Luftwechsel in den Aufenthaltsräumen und trägt dazu bei, Feuchtigkeit, Gerüche sowie CO₂ effizient abzuführen.

Die Dimensionierung der Zuluft in Schlafzimmern gewährleistet eine hygienisch einwandfreie Raumluftqualität. Als Referenz gilt dabei üblicherweise eine CO₂-Konzentration von ≤1000 ppm, was dem gängigen Komfortbereich für Wohnräume entspricht. Mit den ausgelegten Luftmengen können die entstehenden Konzentrationen abgeführt werden.

Bei der Betonierung der Etagendecken wurden auch die Zuund Abluftkanäle aus flexiblem Material eingelegt.
Bei der Betonierung der Etagendecken wurden auch die Zuund Abluftkanäle aus flexiblem Material eingelegt.

Luft­vo­lu­men­s­trö­me

Die Luftvolumenströme können in jeder Wohnung individuell an die jeweilige Nutzung angepasst werden. Jede Wohneinheit ist mit einer Stufenschaltung mit drei Betriebsstufen ausgestattet, die über eine Bedieneinheit in der Wohnung gesteuert wird.

Die drei Lüftungsstufen ermöglichen eine einfache Anpassung an unterschiedliche Nutzungssituationen, beispielsweise Normalbetrieb, reduzierte Lüftung bei Abwesenheit oder erhöhte Lüftung bei erhöhter Feuchtelast oder Personenbelegung.

Die gewählte Stufe wirkt dabei direkt auf die Wohnungslüftungsbox, welche die Luftvolumenströme entsprechend anpasst und regelt. Dadurch wird sichergestellt, dass die Luftmenge innerhalb der Wohnung jederzeit dem aktuellen Bedarf entspricht, ohne die übergeordnete Lüftungsstrategie zu beeinträchtigen.

Dieses Konzept verbindet einfache Bedienbarkeit für die Nutzer mit einer stabilen, zentral gesteuerten Luftverteilung und gewährleistet gleichzeitig einen energieeffizienten Betrieb der Anlage.

Kri­ti­sche Nut­zungs­si­tua­ti­o­nen

Im Rahmen der Planung werden auch kritische Nutzungssituationen berücksichtigt, insbesondere das Verhalten der Nutzer im Alltag. Dazu zählt beispielsweise das dauerhaft gekippte Fenster im Winter. Eine solche Nutzung führt zu erhöhten Wärmeverlusten, lokaler Auskühlung im Fensterbereich sowie potenziell zu Kondensatbildung an Bauteiloberflächen. Zudem kann dadurch das geplante Luftströmungskonzept innerhalb der Wohnung gestört werden.

Die Komfortlüftung ist jedoch so ausgelegt, dass sie auch bei geschlossenen Fenstern jederzeit eine hygienisch einwandfreie Luftqualität sicherstellt. Ein zusätzliches manuelles Lüften ist für den Betrieb grundsätzlich nicht erforderlich (aber dennoch möglich), um die vorgesehenen CO₂-Werte einzuhalten.

Genau hierin liegt einer der wesentlichen Vorteile kontrollierter Wohnraumlüftungssysteme: Die Luftqualität bleibt unabhängig vom Nutzerverhalten konstant hoch, während gleichzeitig Energieverluste durch unkontrolliertes Lüften vermieden werden.

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