Gebäudetechnik auf 3’238 Meter über Meer
Begehung der Hollandiahütte
Wie funktioniert Gebäudetechnik auf über 3’000 Metern über Meer? Und wie stellt man die Energieversorgung einer Berghütte unter anspruchsvollsten Bedingungen sicher? Diesen Fragen durfte unser Lernender Till Bucher bei einer besonderen Begehung auf den Grund gehen: Gemeinsam mit unserem Bauexperten Martin Balmer und dem Hüttenwart Yann besichtigte sie am 22. September 2026 die Hollandiahütte auf 3’238 m ü. M.
Hallo, ich bin Till, Gebäudetechnikplaner Heizung EFZ in Ausbildung. Gemeinsam mit unserem Bauexperten Martin Balmer und Hüttenwart Yann durfte ich die Hollandiahütte auf 3’238 m ü. M. besichtigen und ihre Gebäudetechnik aufnehmen. Unsere Reise begann in Lauterbrunnen. Von dort flogen wir zunächst zur Mönchsjochhütte, um den Hüttenwart Yann abzuholen. Anschliessend ging es weiter über den Aletschgletscher zur Hollandiahütte. Bereits der Flug war ein Erlebnis. Über dem Aletschgletscher herrschten starke Windverhältnisse – und gleichzeitig bot sich ein beeindruckender Blick auf die hochalpine Landschaft.
Während des Fluges und bei der anschliessenden Begehung erzählte uns Yann auch von den Veränderungen des Gletschers. Seinen Beobachtungen zufolge hat sich der Aletschgletscher in den vergangenen Jahren stark zurückgebildet. Allein im vergangenen Jahr habe sich die Gletscherzunge um rund acht Meter zurückgezogen.
Gebäudetechnik unter besonderen Bedingungen
Auf der Hollandiahütte angekommen, ging es für uns direkt an die Arbeit. Unser Ziel war es, die bestehenden technischen Anlagen und das Energiesystem der Hütte vollständig aufzunehmen. Für mich als Lernender war es besonders spannend zu sehen, wie Gebäudetechnik unter Bedingungen funktioniert, die sich deutlich von einem normalen Gebäude im Tal unterscheiden.
Die Energieversorgung muss zuverlässig funktionieren, gleichzeitig sind Platz, Ressourcen und Transportmöglichkeiten begrenzt. Jede technische Lösung muss deshalb gut auf die besonderen Anforderungen einer Berghütte abgestimmt sein.
Sonne als wichtigste Energiequelle
Besonders interessant war das Energiesystem der Hollandiahütte. Die Wärmeversorgung für Heizung und Warmwasser erfolgt hauptsächlich über eine thermische Solaranlage. Reicht die Solarleistung nicht aus oder wird kurzfristig mehr Wärme benötigt, kann eine Gasheizung zugeschaltet werden. Auch bei der Stromversorgung setzt die Hütte auf erneuerbare Energie: Photovoltaikanlagen mit unterschiedlicher Ausrichtung liefern den benötigten Strom. Gekocht wird je nach Bedarf auf einem Gas- beziehungsweise Holzherd.
Wir haben die verschiedenen Anlagen und deren Zusammenspiel aufgenommen, um daraus anschliessend ein schematisches Energiekonzept zu erstellen. Dieses soll die Funktionsweise der einzelnen Systeme übersichtlich dokumentieren und damit auch künftig einen zuverlässigen Betrieb unterstützen.
Ein besonderer Einblick in die Gebäudetechnik
Die Begehung hat mir gezeigt, wie vielseitig Gebäudetechnik sein kann. Besonders spannend fand ich, dass hier nicht einfach einzelne Anlagen betrachtet werden können. Vielmehr müssen Energieerzeugung, Speicherung, Wärmeversorgung und Stromproduktion als Gesamtsystem funktionieren. Die Bedingungen auf über 3’000 Metern machen die Planung und den Betrieb zusätzlich anspruchsvoll.
Für mich war die Begehung deshalb eine wertvolle Ergänzung zu meiner Ausbildung als Gebäudetechnikplaner Heizung. Ich konnte mein Fachwissen erweitern, technische Zusammenhänge in der Praxis erleben und einen Einblick in ein aussergewöhnliches Projekt gewinnen.
Und natürlich bleibt vor allem eines hängen: Gebäudetechnik funktioniert auch dort, wo die Bedingungen alles andere als alltäglich sind.
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